„Narziss“ mit würdigem Abschied


Die ostdeutsche Hardcore- und Metal-Kultband „Narziss“ war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit den Vorbands „Lasting Traces“ und „Down On Me“ in der „Wolfsklause“ in Oberwolfach zu Gast. Der Fünfer lieferte eine packende Vorstellung ab und sagte mit ein wenig Wehmut „Servus“.

Aber warum Wehmut? Weil der Auftritt in der „Klause“ der vorletzte in der Bandgeschichte von „Narziss“ war. Nach nunmehr dreizehn Jahren gemeinsamen Musizierens lösen sich die Jungs aus Jena aufgrund beruflicher und privater Veränderungen in Kürze auf. Einzig ein Abschiedskonzert in ihrer Heimatstadt steht jetzt noch an, danach ist Feierabend. Im Schwarzwald schauten die Thüringer aber nochmals vorbei, waren sie doch beim ersten Besuch in der „Wolfsklause“ im Jahr 2009 von der Atmosphäre und den euphorischen Publikumsreaktionen schwer angetan. Entsprechend motiviert und gut gelaunt ging die Band auch dieses Mal von Beginn an ans Werk. Mit „Meine kleine Seele“ und „Ita Est“ gab es gleich zum Start die ersten echten Highlights zu hören. Deutschsprachige Texte gepaart mit einem feinen Melodieverständnis und einer gesunden Portion Aggressivität bilden die Basis für die spezielle Klangwelt von „Narziss“. Hardcore und Metal geben sich beim Sound des Fünfers ebenso die Klinke in die Hand, wie aggressives Shouting und klarer, emotionaler Gesang. Dem Publikum gefiel’s prächtig, bei Stücken wie „Und du verblasst“ oder „Hoffnungslos“ steppte auf der Tanzfläche mächtig der Bär. Mit „Morgen nicht geboren“ endete das reguläre Set und nach den heftig geforderten und anschließend beklatschten Zugaben schlossen „Narziss“ das Kapitel Schwarzwald endgültig ab. Die zahlreichen positiven Fanreaktionen im Smalltalk mit den Musikern nach dem Konzert machten deutlich, dass der deutschen Hardcore-Szene künftig eine große Nummer fehlen wird.

Auch die beiden Vorbands trugen dazu bei, dass sich „Narziss“ in einem würdigen Rahmen von ihren Fans verabschieden konnten. Den Startschuss gaben „Down On Me“ aus Kehl und Achern. Stilistisch bewegte sich der Fünfer in einer Mischung aus Hardcore, Metal und Melo-Stuff. Zwar war dies der allererste Auftritt der neu gegründeten Band, da die Mitglieder aber in diversen anderen Acts bereits jahrelange Bühnenerfahrung gesammelt haben, war der Auftritt souverän, routiniert und wurde anerkennend beklatscht. Songs wie „The Bitter Truth“ oder „Society“ machten richtig Spaß.

Trotz ihres jungen Alters sind die Jungs von „Lasting Traces“ schon fast alte Hasen, zumindest was die Anzahl ihrer bislang absolvierten Konzerte betrifft. Die tourfreudige Hardcore-Crew aus dem Schwarzwald kann man stilistisch in die Liga des modernen, amerikanischen Hardcores einordnen: melodisch und gleichzeitig aggressiv. Die Songs ihres demnächst erscheinenden neuen Albums „Old Hearts Break In Isolation“ wussten ebenso zu gefallen, wie ältere Granaten der Marke „Paying Debts“. „Leak“ oder „Disillusioned“.

Am Samstag, dem 30. April ist die deutsche Metalgröße „Undertow“ in der „Wolfsklause“ zu Gast. Die Vorbands sind „Fearce“ aus Freiburg und „Ecliptic Circle“ aus Oberkirch.