"Strength" waren mehr als nur ein Ersatz

 Am vergangenen Wochenende begann die neue Konzertsaison in der "Wolfsklause" in Oberwolfach mit einem energiegeladenen Dreierpack an Hardcorebands.

Die ursprünglich als Hauptband eingeplante Hardcore/Metal-Formation "My City Burning" aus Amsterdam hatte kurzfristig ohne Angabe von handfesten Gründen abgesagt. Da dies nicht die erste dubiose Konzertabsage in jüngster Vergangenheit war, wurde die Band inzwischen von ihrer Booking-Agentur vor die Tür gesetzt. Die Organisatoren der "Wolfsklause" hatten aufgrund dieser Absage bis zum Schluss alle Hände voll zu tun, einen angemessenen Ersatz zu finden. Mit der Hardcore-Truppe "Strength" aus Recklinghausen ist dies jedoch mehr als gelungen. Die Jungs aus dem Ruhrpott kamen beim Publikum erstklassig an.

Doch zuerst gehörte die Bühne zwei anderen Bands. Den Anfang machte die Villinger Kult-Kapelle "Corrosive". Sie feierte kürzlich im Rahmen eines selbst organisierten Open Airs in ihrer Heimatstadt das 25jährige Bandjubiläum. Die alten Hasen eröffneten den Konzertabend mit einer explosiven Mischung aus Punk, Hardcore und Thrash, gepaart mit den deutschen Texten. Klassiker wie "Automatenmenschen", "Krankes Tier Mensch" oder die Anti-Nazi-Hymne "Norbert" stellten ein abgefahrenes, ganz spezielles Hörerlebnis dar. Für die einen war es zu krass, die anderen fuhren voll drauf ab.

Etwas eingängiger wurde es mit der Hardcore-Crew "The Haverbrook Disaster", benannt nach einem Bahnunglück in der Serie "The Simpsons". Die Karlsruher zeigten äußerst abwechslungsreichen Hardcore auf einem erstaunlich hohen Qualitätslevel. Melodie wechselte sich mit Härte ab, variabler Gesang mit mächtigen Gangshouts und alte Schule mit modernen Elementen. Freunde von "Comeback Kid" hatten ebenso ihren Spaß, wie Fans von fetten Beatdowns. "Hopeward Bounds" oder "Talking Big" zeigten, warum sich der Fünfer im Schwarzwald bereits eine große Anhängerschaft erspielt hat. Dieser jungen Band gehört die Zukunft.

Die "Wolfsklause" hatte sich trotz etlicher Konkurrenz-Veranstaltungen in der Region mittlerweile prächtig gefüllt, als der Hauptact "Strength" die Bühnenbretter betrat. Obwohl sie erst am Vorabend von ihrem Auftritt im Schwarzwald erfuhren, fühlten sie sich sofort pudelwohl in der "Klause". Dies spiegelte sich in einem leidenschaftlichen Auftritt wider, mit dem sie alle Anwesenden mitrissen. Schnörkellosen und geradlinigen Old School-Hardcore mit viel Herzblut haben sich die vier Männer aus dem Ruhrpott auf die Fahnen geschrieben. Sichtlich angespornt von der packenden Atmosphäre und den dankbaren Publikumsreaktionen liefen sie bei Knallern wie "Unbreakable", "Kingdom" oder "Burning Storm" zur Hochform auf. Als der Vierer das Konzert mit der Abrissbirne "Traitors" beendete, war allen klar: "Strength" waren mehr als nur eine Ersatzband für die motivationslosen Holländer.

Das nächste Konzert-Highlight in der "Wolfsklause" steigt am Samstag, dem 15. Oktober. Zu Gast ist die mit ehemaligen Mitgliedern von "Born From Pain" und "Cataract" prominent besetzte Metalband "Arma Gathas", sowie die Vorbands "Arcturon" aus der Schweiz und "Hellwards" aus Kehl und Offenburg.